Drogentotengedenktag am 22.07.2019

Drogentotengedenktag 22.07.2019

22.07.2019 Aktion zum Drogentotengedenktag in Oldenburg  
 
 
Seit 1998 wird bundesweit am 21.07. der „Nationale Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige“ begangen.

 
„Gesundheit und Überleben gibt es nicht zum Nulltarif“


Unter diesem diesjährigen Motto werden rund um den Drogentotengedenktag mit bundesweiten Aktionen auf die Situation drogengebrauchender Menschen aufmerksam gemacht.


Die AIDS-Hilfe Oldenburg lädt Betroffene*, Angehörige* sowie alle Interessierten* herzlich dazu ein, am Montag den 22. Juli in der Zeit von 11 Uhr bis 13 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz in Oldenburg zusammen zu kommen, sich zu informieren, auszutauschen und den Verstorbenen zu Gedenken.  
 
Um 12.00 Uhr halten wir auch in diesem Jahr eine Gedenkminute für die, infolge des Drogenkonsums Verstorbenen, ab.  


Laut Pressestelle der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland ergibt sich für die Stadt Oldenburg und den Landkreis Ammerland für das Jahr 2018 eine Zahl von 9 Personen, die an „unmittelbar infolge des akuten Missbrauchs von Drogen“ verstorben sind.   
 
Drogengebraucher*innen stellen aufgrund des intravenösen Drogenkonsums und dem damit erhöhten Risiko einer HIV und/oder HCV (Hepatitis C) Infektion eine Zielgruppe der HIV/AIDS Prävention dar. Im Fokus der Präventionsbotschaften steht die Aufklärung zu Übertragungswegen von HIV und Hepatitiden, Safer Use und Safer Sex Botschaften, aber auch Beratungs- und Betreuungsangebote für HIV- positive und/oder HCV- positive Drogengebraucher*innen.


Ziel ist es über die Infektionskrankheiten HIV und Hepatitiden aufzuklären und damit die Verbreitung von HIV und Hepatitiden einzudämmen. Des Weiteren sollen durch gezielte Informationen Ängste und Vorurteile abgebaut werden und die Lebenssituation Betroffener durch Unterstützungs- und Hilfsangebote verbessert werden.  
 
Zwei von der AIDS-Hilfe Oldenburg e.V.  unterhaltene Spritzenautomaten ermöglichen Drogengebraucher*innen für einen geringen Unkostenbeitrag von 50 Cent rund um die Uhr den Zugang zu sauberen Spritzen sowie hygienische Konsumutensilien. Während der Öffnungszeiten können Drogengebraucher*innen in der AIDS-Hilfe Oldenburg e.V.  gebrauchte Spritzen gegen sterile Spritzen einzutauschen.  Durch die AIDS-Hilfe Oldenburg e.V. werden somit im Jahr mehr als 10.000 sterile Spritzen an drogengebrauchende Menschen vergeben.
 
Ziel ist es das Risiko einer Übertragung von HIV oder HCV beim gemeinsamen Benutzen von Spritzbestecken zu minimieren sowie gebrauchte Spritzen sicher zu entsorgen und damit das Gesundheitsrisiko welches von Stichverletzungen durch herumliegende Nadeln ausgeht zu mindern.   
 
Darüber hinaus ist es der AIDS-Hilfe Oldenburg in diesem Jahr möglich, unterstützt durch MSD SHARP & DOHME GMBH, intravenös drogengebrauchenden Menschen ein kostenfreies Selbsttestangebot für HIV und Hepatitis C anzubieten. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit zu einem ausführlichen Beratungsangebot bezüglich der Risikominimierung bei intravenösem Drogenkonsum (safer use Beratung), sowie die Begleitung zur Durchführung des Selbsttests und bei Bedarf eine entsprechende Beratung zu Behandlungsmöglichkeiten und weiterem Vorgehen bei ggf. bestehender Infektion. Der Test kann zu den Sprechzeiten oder nach Absprache, auch außerhalb der Öffnungszeiten, in unseren Räumlichkeiten durchgeführt werden.


Diese, sowie viele weitere Angebote der kommunaler Sucht- und Drogenhilfe können nur durch die Bereitstellung entsprechenden finanzieller Mittel erhalten und ausgebaut werden. Tatsächlich hat in den letzten Jahren keine entsprechende Aufstockung der Mittel stattgefunden.  Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit JES Bundesverband (Junkies – Ehemalige – Substituierte), die Deutsche AIDS-Hilfe e.V., sowie der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik (verantwortlich: Jürgen Heimchen, Ravensberger Str. 44, 42117 Wuppertal, Tel. 0202-423519) äußern sich anlässlich des diesjährigen Drogentotengedenktag wie folgt:  


„Ohne die entsprechenden kommunalen Mittel werden z.B. dringend erforderliche und erfolgreiche Beratungs- und Testangebote für HIV und Hepatitis C nach dem Ende der Modellphase wieder eingestellt. Zudem gerät der dringend benötigte Ausbau eines ausdifferenzierten Hilfesystems vom niedrigschwelligen Angebot, über aufsuchende Angebote bis hin zu neuen Beratungsangeboten für Konsument*innen von neuen psychoaktiven Substanzen sowie im Kontext von Chemsex ins Hintertreffen. Selbst dringend erforderliche Fortbildungsangebote für Mitarbeiter*innen können vielfach nur im beschränkten Umfang stattfinden. Die Gründe hierfür sind unter anderem fehlende finanzielle Mittel sowie eine dünne Personaldecke.

Die kommunale Suchthilfe benötigt schon lange eine bessere finanzielle Ausstattung, um den aktuellen Gegebenheiten und Anforderungen mit hoher fachlicher Qualität, hinreichend Zeit und angemessener Empathie begegnen zu können.

Die wichtige Arbeit vor Ort in den Beratungsstellen und Anlaufzentren sollte insgesamt mehr geschätzt werden. Sie vermag den Drogengebrauchenden nicht nur auf mannigfaltige Weise eine unmittelbare und daher zeitnahe Hilfe bei akuten Problemlagen zu ermöglichen. In diesen Einrichtungen entwickeln sich darüber hinaus oftmals auf positive Weise soziale Treffpunkte für ansonsten gesellschaftlich weitgehend ausgestoßene Menschen. Im Idealfall entsteht dann – zumindest zeitweise – ein Klima zwischenmenschlicher Wärme. Ein Ort zum Innehalten, zum Erholen, der Information und Hilfe. Diese Orte der Menschlichkeit sollten daher dringend erhalten werden und ihre finanzielle Ausstattung muss verbessert werden. Vielerorts sollten zudem dort bislang fehlende Einrichtungen der Akzeptierenden Drogenhilfe entstehen können. Um das Überleben von Drogengebrauchenden zu sichern und mit möglichst individuellen Hilfen die gesundheitliche und soziale Situation zu verbessern, aber auch um zur Entlastung der Gesellschaft beizutragen müssen Länder und Kommunen mehr investieren!

„Wo Leben ist, da ist Hoffnung – und unser erstes Ziel in der Drogenpolitik sollte darin bestehen, diese Hoffnung am Leben zu erhalten, indem wir die Abhängigen am Leben halten!” Heather Brook, Australien
 
 
Was: Aktion zum Drogentotengedenktag

 
Wann: 22. Juli 2019 von 10.30 -13 Uhr mit öffentlicher Gedenkminute um 12 Uhr
 
Wo: Bahnhofsvorplatz Oldenburg Hbf
 
Medienkontakt: AIDS-Hilfe Oldenburg e.V.    Ellen Kiebacher - Tel 0441.14500 - Mail info@aidshilfe-oldenburg.de